<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Sein und Nicht-Sein</title>
	<atom:link href="http://www.sein-und-nicht-sein.de/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.sein-und-nicht-sein.de</link>
	<description>..., das ist hier die Frage</description>
	<lastBuildDate>Wed, 23 Nov 2011 16:27:18 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.0</generator>
		<item>
		<title>Taste the Waste</title>
		<link>http://www.sein-und-nicht-sein.de/taste-the-waste/</link>
		<comments>http://www.sein-und-nicht-sein.de/taste-the-waste/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 11 Sep 2011 23:38:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Immanuel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.sein-und-nicht-sein.de/?p=340</guid>
		<description><![CDATA[Letzte Woche bin ich durch die Tagesthemen auf einen Dokumentarfilm zum Thema Lebensmittelverschwendung aufmerksam geworden, der seit 08. September in den Kinos ist: Taste the Waste. Es ist nicht der erste Film, der mir zu diesem Thema über den Weg &#8230; <a href="http://www.sein-und-nicht-sein.de/taste-the-waste/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Letzte Woche bin ich durch die Tagesthemen auf einen Dokumentarfilm zum Thema Lebensmittelverschwendung aufmerksam geworden, der seit 08. September in den Kinos ist: <a href="http://www.taste-the-waste.de/" target="_blank">Taste the Waste</a>.</p>
<p>Es ist nicht der erste Film, der mir zu diesem Thema über den Weg läuft. Im Sommer 2007 sah ich <a href="http://www.we-feed-the-world.at/" target="_blank">We Feed The World</a>, der ebenfalls die Absurditäten der westlichen und insbesondere der europäischen Agrarpolitik und -wirtschaft thematisiert. Das Angenehme an diesem Film war die sachliche Distanz des Filmemachers <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Erwin_Wagenhofer" target="_blank">Erwin Wagenhofer</a> zu einem Thema, bei dem die Emotionen sehr leicht hoch kochen können: Selbst als der Nestlé-Konzernchef <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Brabeck-Letmathe" target="_blank">Peter Brabeck-Letmathe</a> erklärt, <a href="http://www.youtube.com/watch?v=deSClqx-Dx8" target="_blank">warum die Versorgung mit Wasser seiner Meinung nach kein Grundrecht sein sollte</a>, wird kein moralischer Zeigefinger erhoben. So war eine Annäherung an das Thema möglich, ohne selbst eine moralische Instanz sein zu müssen.</p>
<p>Was ich aber auf einem ersten Streifzug durch die Weiten des Internets zum Thema <em>Taste the Waste</em> aufschnappen konnte, löst bei mir unterschwellig Irritationen aus. Es muss gar nicht viel mit dem Film selber zu tun haben, eher damit wie er angekündigt und besprochen wird. Ich habe in mich hinein gehorcht und versucht herauszufinden, was es eigentlich ist, das mich unangenehm berührt. Ich weiß nicht, ob ich dabei erfolgreich war, aber ich glaube es ist die Logik, die auch dem gegenüber Kindern gern benutzten Satz innewohnt:</p>
<blockquote><p>Iss dein Brot auf, in Afrika müssen die Kinder hungern!</p></blockquote>
<p><span id="more-340"></span></p>
<h3>Der Hunger</h3>
<p>Wie komme ich zu dieser Assoziation? Es hat damit zu tun, dass das Thema Nahrungsmittelverschwendung meist in einem Atemzug mit den Hungerproblemen der Welt genannt wird. Zum Beispiel wird auf tagesschau.de der Film unter dem Beitrag &#8220;<a href="http://www.tagesschau.de/inland/lebensmittel140.html" target="_blank">Auf den Teller statt in die Tonne</a>&#8221; folgendermaßen eingeführt:</p>
<blockquote><p>Vier Millionen Menschen &#8211; mehr als die Hälfte der Bevölkerung Somalias &#8211;  haben nicht genug zu essen. Rund 750.000 Menschen sind akut vom Tod  bedroht. Gleichzeitig landet weltweit ein Drittel aller Lebensmittel  nicht auf dem Esstisch, sondern im Müll. In Deutschland soll es sogar  die Hälfte sein. Und allein von der Nahrung, die in Europa weggeworfen  wird, könnten theoretisch alle Hungernden der Erde satt werden.</p></blockquote>
<p>Passend dazu wird in den Links zu verwandten Themen die Hungersnot in Somalia verlinkt:</p>
<ul>
<li>Somalia: Hungersnot verschärft sich weiter</li>
<li>Dossier: Hungersnot am Horn von Afrika</li>
<li>Millionen leiden unter der Dürre</li>
<li>Weiterer Teil Somalias zum Katastrophengebiet erklärt</li>
</ul>
<p>Das Hungerproblem wird vom Film selbst thematisiert, wie auch dem <a href="http://www.youtube.com/watch?v=0WYi_mWrLic&amp;feature=player_detailpage#t=149s" target="_blank">Trailer</a> zu entnehmen ist. Dort heißt es:</p>
<blockquote><p>Das Essen, das wir in Europa wegwerfen, würde zwei mal reichen, um alle Hungernden der Welt zu ernähren.</p></blockquote>
<p>Was auf den ersten Blick recht sachlich aussieht, trägt eine unheimlich starke moralische Anklage in sich, die ihre Wirkung nicht verfehlt. So fallen die Reaktionen im Netz entsprechend betroffen aus:</p>
<ul>
<li><a href="http://bytelude.de/2011/09/10/taste-the-waste/" target="_blank">bytelude.de</a>: Unglaublich beschämend.</li>
<li><a href="http://hardsensations.com/2011/09/taste-the-waste/" target="_blank">hardsensations.com</a>: Wir bemitleiden die armen hungernden Kinder in Somalia und spenden  pünktlich vor Weihnachten einen Fuffi an Brot für die Welt, und  gleichzeitig werfen wir tonnenweise Lebensmittel in den Müll.</li>
<li><a href="http://www.zeit.de/kultur/film/2011-09/rezension-taste-the-waste/seite-2?commentstart=112#comments" target="_blank">Kommentar auf zeit.de</a>: Es kann nicht sein, dass hier bei uns Tonnen von Lebensmitteln  weggeschmissen werden, während gleichzeitig Millionen von Menschen  sterben, weil sie nicht genug zu essen haben. Wir können das so nicht mehr länger hinnehmen. Die jetzige Verteilung bzw. Produktion von Lebensmitteln ist ungerecht.</li>
<li><a href="http://www.moviemaze.de/filme/4160/taste-the-waste.html">moviemaze.de</a>: <em>Taste the Waste</em> liefert Einblicke in eine Zerstörungsorgie, die angesichts des Hungers auf der Welt schlichtweg pervers ist. [...] Mit alledem, was in den Industrienationen weggeworfen wird, ließe sich sogar der Hunger weltweit beseitigen. [...] Die zentrale Frage, die sich zwangsläufig aufdrängt, lautet: Wie kann es sein, dass global Millionen Menschen hungern oder sogar verhungern, wohingegen es sich die westlichen Nationen erlauben, hemmungslos subventionierte Lebensmittel in Mengen zu produzieren, die schlichtweg nicht verwertet werden können, um sie dann in den Müll zu befördern?</li>
</ul>
<p>Vielleicht verstehe ich etwas falsch, aber die Botschaft die bei mir ankommt, ist:</p>
<blockquote><p>Auf der Welt verhungern Menschen, weil in Europa Nahrung verschwendet wird.</p></blockquote>
<h3>Die Blendgranate</h3>
<p>Ich kann nachvollziehen, wie man zu dieser Auffassung kommt: Zwischen den Hungersnöten auf der Welt und dem Nahrungsmittelüberfluss in der westlichen Welt gibt es einen starken <strong>thematischen</strong> Zusammenhang. Es geht um Nahrung, einmal im Kontext des Mangels und einmal im Kontext des Überflusses. Und hier lauert die Denkfalle: Das Ganze sieht einfach zu sehr nach den zwei Seiten ein- und derselben Medaille aus, und im Nu sind wir uns sicher, dass es sich um einen <strong>kausalen</strong> Zusammenhang handeln muss. Aber allein die Tatsache, dass es gleichzeitig Hunger und Überfluss auf der Welt gibt, sagt noch rein gar nichts darüber aus, ob der Überfluss tatsächlich die Ursache des Hungers ist.</p>
<p>Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich eines Tages als Verteidiger des &#8220;bösen Kapitalismus&#8221; wiederfinden werde, aber an dieser Stelle wird mir bewusst, dass das Schlagwort <strong>Verteilungsproblem</strong> eine echte Blendgranate sein kann, weil es den offensichtlichen <strong>thematischen</strong> Zusammenhang nutzt, um einen <strong>kausalen</strong> Zusammenhang selbstverständlich erscheinen zu lassen. Dieser müsste für sich selber aber erst einmal gezeigt werden.</p>
<h3>Der kausale Zusammenhang</h3>
<p>Bleibt die Frage zu klären, ob es nun einen kausalen Zusammenhang gibt. In einer globalisierten Welt gibt es unzählige sich überlagernde Wechselwirkungen, deren genauer Zusammenhang unmöglich analysiert werden kann. So sind z.B. die genauen Gründe für die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nahrungsmittelpreiskrise_2007%E2%80%932008" target="_blank">Nahrungsmittelpreiskrise 2007-2008</a> nicht bekannt, man kann nur Mutmaßungen darüber anstellen, wie schwer einzelne mögliche Gründe ins Gewicht fallen.</p>
<p>Als Beispiel dafür, wie aussichtslos die Beurteilung einzelner Gründe ist, nehme ich die Preispolitik: Europa wird zum einen dafür gescholten, dass es durch <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Exportsubvention#Exportsubventionen_in_der_EU" target="_blank">Exportsubventionen</a> den Weltmarkt überschwemmt und damit z.B. <a href="http://www.tagesschau.de/wirtschaft/milchgipfel112.html" target="_blank">die Milchbauern in Afrika</a> ihrer Lebensgrundlage beraubt, weil sie mit dem aus Europa billig importierten Milchpulver nicht konkurrieren können.<sup class='footnote'><a href='#fn-340-1' id='fnref-340-1'>1</a></sup> Auf der anderen Seite wird die künstliche Verknappung durch Lebensmittelvernichtung kritisiert, die wie die Exportsubventionen die Preisstabilität zum Ziel hat, aber in Bezug auf den Weltmarkt den gegenteiligen Effekt zeigt: Durch Verknappung steigen die Preise. Wer kann dann jetzt eigentlich den Gesamteffekt beurteilen? Führt die Politik der EU nun dazu, dass in der Summe die Preise steigen, oder dass sie fallen?</p>
<p>Und wenn hemmungslos überproduziert und anschließend wieder vernichtet wird, steht dann mehr oder eher weniger Nahrung zur Verfügung, wie wenn man gleich auf den Punkt nur soviel produziert hätte, wie tatsächlich verbraucht wird?</p>
<p>Es gibt offensichtliche Wechselwirkungen zwischen Hunger und Nahrungsmittelüberfluss, aber versteht die jemand nur annähernd so gut, dass er daraus die schwere moralische Anklage ableiten könnte, die westliche Welt würde den Hunger von Millionen verursachen?</p>
<h3>Die Alternative</h3>
<p>Da ich mich außerstande sehe, einen kausalen Zusammenhang auch nur annähernd zu belegen oder zu widerlegen, muss ich einen Trick anwenden: Wenn es einen kausalen Zusammenhang gibt, muss dieser zumindest theoretisch aufgehoben werden können. Ich könnte also einen kausalen Zusammenhang belegen, indem ich eine Alternative aufzeige, wie eine Welt ohne Hunger aussehen könnte. Dies darf durchaus eine idealistische Alternative sein, sofern sie in sich stimmig ist.</p>
<p>Und spätestens hier fühle ich mich wie im Kalten Krieg: Freie Marktwirtschaft oder Planwirtschaft, Kapitalismus oder Kommunismus? Nehmen wir also an, es handele sich tatsächlich nur um ein <strong>Verteilungsproblem</strong>. Dann ließe sich durch eine geschickte Verteilung der Hunger aller Menschen auf der Welt stillen. Dazu bräuchte es eine Weltregierung, die die Nahrung nach dem tatsächlichen Bedarf auf der Welt verteilt, und nicht aufgrund nationaler oder privater Partikularinteressen.</p>
<p>Es gibt zwei wesentliche Gründe, warum diese Alternative nicht funktionieren kann:</p>
<ol>
<li>Es gäbe keinen Überschuss zu verteilen, da überhaupt kein Überschuss produziert würde. Das mögliche Verteilungsszenario entsteht überhaupt erst durch den von der freien Marktwirtschaft produzierten Überschuss. Hätte Europa eine Planwirtschaft, so würden wir zwar keine Nahrungsmittel wegschmeißen, aber wir hätten auch nichts übrig, um es mit den Hungernden zu teilen.</li>
<li>Planwirtschaft und Agrarwirtschaft sind wohl die am wenigsten kompatiblen Wirtschaften, da bei der Agrarwirtschaft die Produktion völlig unvorhersehbaren Schwankungen unterworfen ist, die jegliche sinnvolle Planung ohne massive Überproduktion (und die damit einhergehende Verschwendung) unmöglich machen. Die Geschichte beweist dies auf traurigste Art und Weise: Stalin war in der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Holodomor" target="_blank">Holodomor</a> genannten Hungersnot 1932/33 für den Hungertod von bis zu 14,5 Millionen Menschen verantwortlich, Maos &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fer_Sprung_nach_vorn" target="_blank">Großer Sprung nach vorn</a>&#8221; hat 1958 &#8211; 1961 sogar schätzungsweise 15 &#8211; 45 Millionen Menschen aufgrund von Hunger das Leben gekostet.</li>
</ol>
<h3>Die Schlußfolgerung</h3>
<p>Sind wir also wegen unseres Überflusses für den Hunger von Millionen verantwortlich? Ich würde sagen: Nein!</p>
<p>Das hindert uns aber nicht daran, unnötige Verschwendung und übermäßigen Ressourcenverbrauch auf ein mögliches Minimum zu beschränken.</p>
<p>Lasst uns dankbar dafür sein, dass wir gar nicht wissen, was Hunger überhaupt ist. Und lasst uns daran arbeiten, dass in Zukunft immer mehr Menschen in diesen Genuss kommen dürfen.</p>
<hr />Fußnoten:
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-340-1'>Man beachte, dass dieses Problem NICHT durch die freie Marktwirtschaft verursacht wird, sondern durch die Planwirtschaft der EU, die bis 1992 massiv versucht hat, mit sogenannten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Interventionspreis" target="_blank">Interventionspreisen</a> ihren Agrar-Binnenmarkt vor den Schwankungen des Weltmarkts zu schützen. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-340-1'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.sein-und-nicht-sein.de/taste-the-waste/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>19</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Religionsfreiheit</title>
		<link>http://www.sein-und-nicht-sein.de/religionsfreiheit/</link>
		<comments>http://www.sein-und-nicht-sein.de/religionsfreiheit/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 10 Dec 2010 21:04:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Immanuel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Religion]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.sein-und-nicht-sein.de/?p=332</guid>
		<description><![CDATA[Im August habe ich mich auf Theoblog.de mit einem Beitrag zum Thema Menschenrechte beschäftigt. Dabei ist die Frage aufgekommen, inwiefern die Formulierung der Menschenrechte auf das Christentum zurückzuführen sind. Irgendwann im Nachhinein stellte sich mir dann folgende Frage: Kann eine &#8230; <a href="http://www.sein-und-nicht-sein.de/religionsfreiheit/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im August habe ich mich auf Theoblog.de mit einem <a href="http://www.theoblog.de/20-jahre-kairoer-erklarung-der-menschenrechte-im-islam/9117/">Beitrag zum Thema Menschenrechte</a> beschäftigt.</p>
<p>Dabei ist die Frage aufgekommen, inwiefern die Formulierung der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Menschenrecht">Menschenrechte</a> auf das Christentum zurückzuführen sind. Irgendwann im Nachhinein stellte sich mir dann folgende Frage:</p>
<p><strong>Kann eine Religion ein Menschenrecht formulieren, dass deren Gott selbst den Menschen nicht zubilligt?</strong></p>
<p>Religionen, die eine ewige Verdammnis annehmen, die aufgrund der Wahl der falschen Religion (oder eben keiner Religion) verhängt wird, stellen sich einen Gott vor, der den Menschen keine Religionsfreiheit zugesteht. Auf welcher Basis sollten diese Religionen dann den Menschen in diesem Leben Religionsfreiheit zugestehen? Inkonsequenz?</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.sein-und-nicht-sein.de/religionsfreiheit/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>26</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Das christlich-jüdische Paradoxon</title>
		<link>http://www.sein-und-nicht-sein.de/das-christlich-juedische-paradoxon/</link>
		<comments>http://www.sein-und-nicht-sein.de/das-christlich-juedische-paradoxon/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 06 Oct 2010 08:05:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Immanuel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.sein-und-nicht-sein.de/?p=315</guid>
		<description><![CDATA[Auf tagesspiegel.de ist ein Artikel von Monika Maron zur Rede des Bundespräsidenten zu lesen: Der Islam gehört nicht zu Deutschland. Anlass sind folgende Worte des Bundespräsidenten: &#8220;Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist &#8230; <a href="http://www.sein-und-nicht-sein.de/das-christlich-juedische-paradoxon/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auf <a href="http://www.tagesspiegel.de" target="_blank">tagesspiegel.de</a> ist ein Artikel von Monika Maron zur Rede des Bundespräsidenten zu lesen: <a href="http://www.tagesspiegel.de/meinung/andere-meinung/der-islam-gehoert-nicht-zu-deutschland/1949762.html" target="_blank">Der Islam gehört nicht zu Deutschland</a>. Anlass sind folgende Worte des Bundespräsidenten:</p>
<blockquote><p>&#8220;Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland.&#8221; (Christian Wulff)</p></blockquote>
<p>Auf den Artikel oder die Rede von Herrn Wulff will ich gar nicht weiter eingehen, sondern nur auf das &#8220;christlich-jüdische Paradoxon&#8221;, wie ich es nenne. Denn laut Herrn Wulff (und darin stimmt ihm Frau Maron zu), gehört das Judentum in gleicher Weise zu Deutschland wie das Christentum. Streit besteht nur darüber, inwiefern der Islam dazugehört.</p>
<p>Meines Erachtens stimmt nicht mal die Feststellung, in der sich die beiden einig sind: In der &#8220;christlich-jüdischen&#8221; Geschichte steht das &#8220;jüdisch&#8221; nur für das christliche Verständnis von &#8220;jüdisch&#8221;. Das Selbstverständnis der Juden selber wird hierbei völlig ignoriert. Man könnte aus jüdischer Sicht diese Geschichte treffender als &#8220;christlich-anti-jüdisch&#8221; bezeichnen. Diese Aussage möchte ich nicht nur einfach in den Raum stellen, sondern auch begründen: <span id="more-315"></span></p>
<p>Eines der ersten und weitreichendsten christlichen Glaubensbekenntnisse ist das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bekenntnis_von_Nic%C3%A4a" target="_blank">Bekenntnis von Nicäa</a>, formuliert von dem ersten Konzil von Nicäa im Jahre 325 christlicher Zeitrechnung. Die Passage über Jesus Christus ist für das jüdisch-christliche Verhältnis von höchster Bedeutung:</p>
<blockquote><p>Und an den einen Herrn Jesus Christus, den Sohn Gottes, der als Einziggeborener aus dem Vater gezeugt ist, das heißt: aus dem Wesen des Vaters, Gott aus Gott, Licht aus Licht, wahrer Gott aus wahrem Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch den alles geworden ist, was im Himmel und was auf Erden ist;</p></blockquote>
<p>Erst sehr viel später (um das Jahr 1200) verfasste Rabbiner Moshe Ben Maiman (auch RaMBaM oder Maimonides genannt) als Antwort auf die anderen Religionen ein vergleichbares <a href="http://www.hagalil.com/judentum/rambam/ikarim.htm" target="_blank">jüdisches Glaubensbekenntnis</a> (das eine einzige Glaubensbekenntnis der Juden war schon immer und ist das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schma_Jisrael" target="_blank">Schma Jisrael</a> aus 5. Mose 6, 4)<sup class='footnote'><a href='#fn-315-1' id='fnref-315-1'>1</a></sup>. Mir ist nicht bekannt, dass eine der großen jüdischen Strömungen das Glaubensbekenntnis von Maimonides ablehnt (ich lasse mich aber gern korrigieren). Die ersten drei der dreizehn Glaubenssätze von Maimonides lauten:</p>
<blockquote><p><strong>I.</strong> Ich glaube in ganzem Glauben, dass der Schoepfer, gelobt sei sein Name, jegliche Kreatur schafft und lenkt und dass er allein der Urheber alles dessen ist, was geschah, geschieht und geschehen wird.<br />
<strong>II.</strong> Ich glaube in ganzem Glauben, dass der Schoepfer, gelobt sei sein Name, einzig ist und dass es keine Einheit seinesgleichen gibt, in keinerlei Hinsicht, und dass er allein unser Gott war, ist und sein wird.<br />
<strong>III.</strong> Ich glaube in ganzem Glauben, dass der Schoepfer, gelobt sei sein Name, unkoerperlich ist und frei von jeder Moeglichkeit, materiell vorgestellt zu werden; und dass ihm auch keine Gestalt beigelegt werden kann.</p></blockquote>
<p>Jemand, der Jesus im christlichen Sinne nicht als Gott ansieht und damit das nicäische Glaubensbekenntnis nicht vertritt, sollte um völlige Sprachverwirrung zu vermeiden, nicht als Christ oder zum Christentum zugehörig bezeichnet werden. Das würde z.B. bedeuten, dass die Zeugen Jehovas nicht als eine Richtung des Christentums bezeichnet werden sollte, weil sie mit der Gottheit Jesu fast 2000 Jahre etablierte christliche Überlieferung in Frage stellen.</p>
<p>Gleiches gilt auch für das Judentum: Jemand, der den dritten Glaubenssatz von Maimonides nicht vertritt (weil er eben an den christlichen Jesus glaubt), sollte nicht als Jude bezeichnet oder dem Judentum zugehörig betrachtet werden, weil sonst die Begriffe Christ und Jude bzw. Christentum und Judentum bis zu ihrer Unkenntlichkeit verwischt werden.</p>
<p>Würde man dies berücksichtigen (was meines Erachtens eine sprachliche Notwendigkeit ist), könnte kein Mensch zugleich als Jude und Christ bezeichnet werden (es sei denn, er hat eine gespaltene Persönlichkeit und kann zwei sich gegenseitig ausschließende Glaubenssätze zur gleichen Zeit glauben).</p>
<p>Und das würde auch bedeuten: Seit 325 nach Christus gibt es keine jüdisch-christliche Geschichte mehr, sondern es gibt nur noch eine christliche Geschichte, die über 2000 Jahre hinweg die jüdische Geschichte zu einem Trauerspiel verwandelt hat. Das Abendland wird zurecht als das &#8220;christliche&#8221; bezeichnet, die Bezeichnung &#8220;christlich-jüdisches&#8221; Abendland wäre schlichtweg paradox und falsch.</p>
<hr />Fußnote:</p>
<div id="_mcePaste" style="overflow: hidden; position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px;">
<blockquote><p><em>Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland.  Das Judentum  gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere  christlich-jüdische  Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen auch  zu Deutschland.&#8221;  (Christian Wulff)</em></p></blockquote>
<p><em>I</em></p>
</div>
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-315-1'>Da ich kein Jude bin, hat keine meiner Aussagen über das Judentum an  sich Autorität und sie sollten daher auf das Schärfste von meinen Lesern  geprüft werden. Insbesondere bitte ich meine jüdischen Leser, meine  Angaben zu korrigieren bzw. zu bestätigen, so dass sich diejenigen, die  keinen leichten Zugriff auf jüdische Quellen haben, sich zumindest  einigermaßen sicher sein können, dass hier keine Unwahrheiten über das Judentum verbreitet  werden. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-315-1'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.sein-und-nicht-sein.de/das-christlich-juedische-paradoxon/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>17</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Antisemitische Strukturen in der christlichen Theologie</title>
		<link>http://www.sein-und-nicht-sein.de/antisemitische-strukturen-in-der-christlichen-theologie/</link>
		<comments>http://www.sein-und-nicht-sein.de/antisemitische-strukturen-in-der-christlichen-theologie/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 05 Oct 2010 06:21:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Immanuel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Religion]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.sein-und-nicht-sein.de/?p=311</guid>
		<description><![CDATA[Ich bin tapfer auf einen sehr bemerkenswerten Blogeintrag im Nirgendwo gestoßen: Perfektionierte Juden. Vor allem der vorletzte Satz hat es in sich: Was dem Christen sein Jude, ist dem Moslem sein Christ. Die Parallelen zwischen Islam und Christentum haben ihre &#8230; <a href="http://www.sein-und-nicht-sein.de/antisemitische-strukturen-in-der-christlichen-theologie/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich bin tapfer auf einen sehr bemerkenswerten Blogeintrag im Nirgendwo gestoßen: <a href="http://tapferimnirgendwo.wordpress.com/2010/10/04/perfektionierte-juden/">Perfektionierte Juden</a>. Vor allem der vorletzte Satz hat es in sich:</p>
<blockquote><p>Was dem Christen sein Jude, ist dem Moslem sein Christ.</p></blockquote>
<p>Die Parallelen zwischen Islam und Christentum haben ihre Grenzen, aber dieser Satz hat meines Erachtens mehr Substanz, als vielen Christen lieb sein dürfte.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.sein-und-nicht-sein.de/antisemitische-strukturen-in-der-christlichen-theologie/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>16</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Verlassen</title>
		<link>http://www.sein-und-nicht-sein.de/verlassen/</link>
		<comments>http://www.sein-und-nicht-sein.de/verlassen/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 30 Sep 2010 18:49:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Immanuel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Religion]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.sein-und-nicht-sein.de/?p=281</guid>
		<description><![CDATA[Es gibt Zeiten, da kann man nicht in Worte fassen, was man empfindet. Aber es gibt Musik, die mehr ausdrückt, als Worte sagen können. Zur Zeit höre ich oft das Lied &#8220;Abandoned&#8221; von Alexander Rybak. Denn es bringt das Gefühlsdilemma, &#8230; <a href="http://www.sein-und-nicht-sein.de/verlassen/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt Zeiten, da kann man nicht in Worte fassen, was man empfindet. Aber es gibt Musik, die mehr ausdrückt, als Worte sagen können. Zur Zeit höre ich oft das Lied &#8220;Abandoned&#8221; von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Rybak" target="_blank">Alexander Rybak</a>. Denn es bringt das Gefühlsdilemma, das ich gegenüber dem Bild des von den Christen als Gott angebeteten Jesus empfinde, mit jeder Note und jedem Wort so gut zum Ausdruck, als ob es nur zu diesem Zweck geschrieben worden wäre:</p>
<p><object width="425" height="355" type="application/x-shockwave-flash" data="http://www.youtube.com/v/BTJyRJSftR4"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/BTJyRJSftR4" />This video was embedded using the YouTuber plugin by <a href="http://www.roytanck.com">Roy Tanck</a>. Adobe Flash Player is required to view the video.</object></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.sein-und-nicht-sein.de/verlassen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>5</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Der Staat und die Nächstenliebe</title>
		<link>http://www.sein-und-nicht-sein.de/der-staat-und-die-naechstenliebe/</link>
		<comments>http://www.sein-und-nicht-sein.de/der-staat-und-die-naechstenliebe/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 16 Sep 2010 05:57:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Immanuel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.sein-und-nicht-sein.de/?p=273</guid>
		<description><![CDATA[In der Integrationsdebatte wird so wie auf Herrn Sarrazin wegen seiner Gene auf die Politik wegen ihrer Versäumnisse in der Integrationspolitik eingeschlagen. Aber das, was ich an anderen Menschen kritisieren kann, ist meistens nur ein Spiegel meiner selbst. Genauso ist &#8230; <a href="http://www.sein-und-nicht-sein.de/der-staat-und-die-naechstenliebe/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der Integrationsdebatte wird so wie auf Herrn Sarrazin wegen seiner Gene auf die Politik wegen ihrer Versäumnisse in der Integrationspolitik eingeschlagen. Aber das, was ich an anderen Menschen kritisieren kann, ist meistens nur ein Spiegel meiner selbst. Genauso ist die Politik, die von der Bevölkerung kritisiert wird, nur ein Spiegel der Bevölkerung selbst und nicht etwas der Bevölkerung Fremdes. Wenn zwischen der Politik und der Bevölkerung ein Graben zu sehen ist, dann ist das nicht der Graben zwischen zwei Klassen, sondern ein Graben in der Bevölkerung selbst und damit in jedem einzelnen von uns (natürlich gibt es eine stochastische Verteilung, einige haben den Graben stärker, andere weniger).</p>
<p>Warum ist Integrationspolitik eigentlich schief gelaufen? Ist es überhaupt so schwierig? Meines Erachtens ja, denn in der Integrationspolitik der westlichen Welt findet eigentlich eine Auseinandersetzung mit dem wohl bekanntesten christlichen Grundsatz statt:</p>
<blockquote><p>Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!</p></blockquote>
<p><span id="more-273"></span>In einer etwas allgemeineren, weniger auf die Liebe bezogenen Form, ist dieser Grundsatz in der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Goldene_Regel" target="_blank">Goldenen Regel</a> enthalten:</p>
<blockquote><p>Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst.</p></blockquote>
<p>In Immanuel Kants <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kategorischer_Imperativ" target="_blank">Kategorischem Imperativ</a> wird dieses Prinzip auf die Gesetzgebung ausgeweitet:</p>
<blockquote><p>Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.</p></blockquote>
<p>Der Kategorische Imperativ ergibt zusammen mit Karl Poppers kurzer Definition von politischer Freiheit<sup class='footnote'><a href='#fn-273-1' id='fnref-273-1'>1</a></sup> die beste mir bekannte Definition der modernen Rechtsstaatlichkeit (manchmal auch missverständlich als &#8220;Demokratie&#8221; bezeichnet):</p>
<blockquote><p>Wir sind frei, wenn wir unsere Herrscher ohne Blutvergießen loswerden können.</p></blockquote>
<p>Worin besteht aber nun die Schwierigkeit beim Gebot der Nächstenliebe, wenn es sogar in die moderne Rechtsstaatlichkeit Eingang gefunden hat? Das soll im Folgenden erläutert werden:</p>
<p>Jeder Mensch hat einen Körper, in dem eine Seele wohnt. Ist der Körper krank, leidet auch die Seele. Jeder Mensch wiederum hat eine Familie, wie die Seele den Körper hat. Ist die Familie krank, leidet auch der Mensch. Eine Familie wohnt in einem Haus, so wie die Seele im Körper wohnt. Regnet es durchs Dach, leidet die Familie.</p>
<p>Liebe deinen Nächsten wie dich selbst bedeutet, dass ich meinem Nächsten soviel Liebe entgegenbringen soll, wie ich mir entgegenbringe. Hasse ich mich selber (habe also keine Liebe für mich), verletze ich das Gebot in gewissem Sinne auch dann nicht, wenn ich andere nicht liebe.</p>
<p>Das bedeutet, dass ich anderen nur geben kann, was ich selber habe (in monetärer Hinsicht ist das offensichtlich). Regnet es durch mein eigenes Dach, muss ich mein eigenes Dach reparieren, bevor ich das Dach meines Nachbarn repariere. Bevor ich versuche, die Ehe anderer Paare zu retten, muss ich meine Ehe retten. Großes Leid existiert in der Christenheit (und in all ihren Erben wie der modernen Rechtsstaatlichkeit), wenn diese Reihenfolge nicht berücksichtigt wird, und Menschen, die selber in der Wüste am verdursten sind, ihr Wasser anderen geben, und am Ende jeder verdurstet ist. Anstatt dass einer das Wasser an sich genommen hätte und Hilfe geholt hätte, um die anderen zu retten.</p>
<p>Eine globale Gesellschaft kann erst dann funktionieren, wenn eine nationale Gesellschaft funktioniert. Die nationale Gesellschaft kann nur funktionieren, wenn regionale Gesellschaften funktionieren. Eine regionale Gesellschaft kann nur funktionieren, wenn kommunale Gesellschaften funktionieren. Und dann kommt der Familienverband, der einzelne Mensch mit seinem Körper und am Schluss dessen Seele. Diese Zusammenhänge aufgrund einer Globalisierungsverherrlichung oder eines Multikulti-Traums zu missachten, bedeutet den Zerbruch aller dieser Gesellschaften und damit am Ende den Zerbruch jeder einzelnen Seele.</p>
<hr />
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-273-1'>Die Definition ist seinem Buch &#8220;Alles Leben ist Problemlösen&#8221; entnommen. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-273-1'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.sein-und-nicht-sein.de/der-staat-und-die-naechstenliebe/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>7</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Rezeption von Aussagen (Auflösung)</title>
		<link>http://www.sein-und-nicht-sein.de/rezeption-von-aussagen-aufloesung/</link>
		<comments>http://www.sein-und-nicht-sein.de/rezeption-von-aussagen-aufloesung/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 15 Sep 2010 18:23:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Immanuel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommunikationstheorie]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.sein-und-nicht-sein.de/?p=266</guid>
		<description><![CDATA[Ich hatte in einem vorhergehenden Beitrag den folgenden Text vorgestellt: Ein Vorgesetzter hat einen Mitarbeiter nicht zur Gehaltserhöhung vorgeschlagen. Der Mitarbeiter reichte seine Kündigung ein. Das wurde von den Kollegen bedauert, denn er war allgemein beliebt. Es wurde darüber diskutiert, &#8230; <a href="http://www.sein-und-nicht-sein.de/rezeption-von-aussagen-aufloesung/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich hatte in einem <a href="http://www.sein-und-nicht-sein.de/rezeption-von-aussagen/" target="_blank">vorhergehenden Beitrag</a> den folgenden Text vorgestellt:</p>
<blockquote><p>Ein Vorgesetzter hat einen Mitarbeiter nicht zur  Gehaltserhöhung vorgeschlagen. Der Mitarbeiter reichte seine Kündigung  ein. Das wurde von den Kollegen bedauert, denn er war allgemein beliebt.  Es wurde darüber diskutiert, ob man etwas unternehmen sollte.</p></blockquote>
<p>Nach 3 Minuten sollte man dann die anschließenden 13 Aussagen mit R (richtig), F (falsch) oder ? (nicht sicher) beantworten: <span id="more-266"></span></p>
<ol>
<li>Der Vorgesetzte hat dem Mitarbeiter eine Gehaltserhöhung verweigert.</li>
<li>Der Mitarbeiter hatte keine Gehaltserhöhung bekommen.</li>
<li>Der Mitarbeiter war darüber verärgert und kündigte.</li>
<li>Der Kündigungsgrund war die nicht gewährte Gehaltserhöhung.</li>
<li>Der Vorgesetzte hatte zwar die Gehaltserhöhung vorgeschlagen, sie war aber abgelehnt worden.</li>
<li>Der Weggang des Mitarbeiters wurde von den Kollegen bedauert.</li>
<li>Die Kollegen diskutierten, ob man gegen das Vorgehen des Vorgesetzten etwas unternehmen sollte.</li>
<li>Die Kollegen unterhielten sich mit dem Mitarbeiter.</li>
<li>Der Vorgesetzte war an der Diskussion der Kollegen nicht beteiligt.</li>
<li>Es handelt sich um einen erfahrenen und beliebten Mitarbeiter.</li>
<li>Der Vorgesetzte kündigte dem Mitarbeiter.</li>
<li>Die Kollegen bedauerten, dass der Mitarbeiter keine Gehaltserhöhung bekommen hatte.</li>
<li>Der Mitarbeiter war allgemein beliebt, und es wurde diskutiert, ob man etwas unternehmen solle.</li>
</ol>
<p>Vielen Dank an alle, die ein Ergebnis abgegeben haben! Die Ergebnisse sehen tabellarisch folgendermaßen aus:</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td></td>
<td>1</td>
<td>2</td>
<td>3</td>
<td>4</td>
<td>5</td>
<td>6</td>
<td>7</td>
<td>8</td>
<td>9</td>
<td>10</td>
<td>11</td>
<td>12</td>
<td>13</td>
</tr>
<tr>
<td>Immanuel</td>
<td>?</td>
<td>?</td>
<td>?</td>
<td>R</td>
<td>F</td>
<td>R</td>
<td>R</td>
<td>?</td>
<td>?</td>
<td>?</td>
<td>F</td>
<td>?</td>
<td>R</td>
</tr>
<tr>
<td>Matthias</td>
<td>F</td>
<td>R</td>
<td>?</td>
<td>?</td>
<td>?</td>
<td>?</td>
<td>?</td>
<td>?</td>
<td>?</td>
<td>?</td>
<td>F</td>
<td>?</td>
<td>?</td>
</tr>
<tr>
<td>Julia</td>
<td>F</td>
<td>R</td>
<td>R</td>
<td>R</td>
<td>F</td>
<td>R</td>
<td>F</td>
<td>F</td>
<td>R</td>
<td>F</td>
<td>F</td>
<td>F</td>
<td>R</td>
</tr>
<tr>
<td>Dennis</td>
<td>F</td>
<td>R</td>
<td>?</td>
<td>F</td>
<td>?</td>
<td>?</td>
<td>F</td>
<td>?</td>
<td>?</td>
<td>F</td>
<td>F</td>
<td>F</td>
<td>R</td>
</tr>
<tr>
<td>Roderich</td>
<td>F</td>
<td>?</td>
<td>?</td>
<td>?</td>
<td>F</td>
<td>R</td>
<td>?</td>
<td>?</td>
<td>?</td>
<td>?</td>
<td>F</td>
<td>?</td>
<td>R</td>
</tr>
<tr>
<td>Musterlösung</td>
<td>?</td>
<td>?</td>
<td>?</td>
<td>?</td>
<td>F</td>
<td>F</td>
<td>?</td>
<td>?</td>
<td>?</td>
<td>?</td>
<td>F</td>
<td>?</td>
<td>R</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Folgende offensichtlichen Feststellungen kann man treffen:</p>
<ol>
<li>Niemand hat alle Aussagen richtig eingeschätzt.</li>
<li>Die einzige Aussage, die alle richtig eingeschätzt haben, ist Aussage 11: Der Vorgesetzte kündigte dem Mitarbeiter.</li>
<li>Bei Abweichungen von der Musterlösung gibt es dennoch eine hohe Übereinstimmung bei den Ergebnissen (z.B. Aussage 1 und 2).</li>
</ol>
<p>Mich würde interessieren, was ihr über diese Fragen denkt:</p>
<ol>
<li>Ist die Musterlösung überhaupt richtig?</li>
<li>Handelt es sich um einen gewöhnlichen Text, oder ist er besonders präpariert worden, um das Ergebnis herbeizuführen?</li>
<li>Was bedeutet das Ergebnis für Verwirrungen im normalen Kommunikationsalltag?</li>
<li>Was bedeutet das Ergebnis für Texte mit Wahrheitsanspruch?</li>
</ol>
<p>Ich bin gespannt!</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.sein-und-nicht-sein.de/rezeption-von-aussagen-aufloesung/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>6</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Debattierleitfaden</title>
		<link>http://www.sein-und-nicht-sein.de/debattierleitfaden/</link>
		<comments>http://www.sein-und-nicht-sein.de/debattierleitfaden/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 12 Sep 2010 22:29:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Immanuel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommunikationstheorie]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.sein-und-nicht-sein.de/?p=261</guid>
		<description><![CDATA[Ich habe gestern das erste Mal den SPIEGEL gekauft, weil mir ein ein bekanntes Gesicht freundlich entgegenblickte. Der Titel der Ausgabe vom 06.09.10 lautet &#8220;Volksheld Sarrazin &#8211; Warum so viele Deutsche einem Provokateur verfallen&#8221;. Warum ich den Titel Provokateur für &#8230; <a href="http://www.sein-und-nicht-sein.de/debattierleitfaden/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe gestern das erste Mal den SPIEGEL gekauft, weil mir ein ein bekanntes Gesicht freundlich entgegenblickte. Der Titel der Ausgabe vom 06.09.10 lautet &#8220;Volksheld Sarrazin &#8211; Warum so viele Deutsche einem Provokateur verfallen&#8221;. Warum ich den Titel Provokateur für Herrn Sarrazin sprachlich hochgradig manipulativ finde, habe <a href="http://www.sein-und-nicht-sein.de/sprachmanipulation-mit-provokation-und-kopftuch/" target="_blank">ich bereits erläutert</a>.</p>
<p>Insofern habe ich mir ehrlich gesagt nicht viel von den Artikeln über Sarrazin erwartet (ein Lichtblick: Herr Broder, wird mir immer sympathischer). Nach dem Motto: Es könnte schlimmer kommen, und es kam schlimmer.</p>
<p>Ein Buch, das Deutschland meiner Meinung nach heute dringender denn je bräuchte: <strong>Wie führe ich eine Debatte?</strong> Wenn jemand etwas Vergleichbares kennt, bitte ich um sachdienliche Hinweise. Denn sonst ist der Satz &#8220;Deutschland debattiert&#8221; gleichbedeutend mit &#8220;Deutschland schafft sich ab&#8221;. Hier also ein kleiner, unzureichender Leitfaden von meiner Seite:</p>
<h3><span id="more-261"></span>1. Konzentriere dich auf die stärksten Argumente deines Gegners, nicht die schwächsten!</h3>
<p>Wir nehmen an, dass die Schlagkräftigkeit der Argumente eines Debattierers entsprechend einer Gauß&#8217;schen Normalverteilung variiert. Das bedeutet, dass die große Mehrzahl der Argumente durchschnittlich schlagkräftig sind, eine geringe Anzahl an ausgesprochen schlechten Argumenten dabei ist, aber sich auch eine geringe Anzahl an sehr guten Argumenten findet. Der Einfachheit halber nehme ich hier an, dass 80% durchschnittlich sind, sowie je 10% sehr gut bzw. sehr schlecht sind.</p>
<p>Man könnte also 90% der gegnerischen Argumente widerlegen, ohne sich die besten Argumente überhaupt anzuschauen. Das mag in der Medienwelt sehr effektvoll erscheinen, in der Sache an sich sind aber die 10% besten Argumente entscheidend. Wer also eine faire Debatte führen möchte, sollte erst mal die 10% besten Argumente identifizieren und sich an diesen abarbeiten. Das ist effektiver als 90% zu widerlegen und doch zu verlieren.</p>
<h3>2. Mache nicht die Fehler, die du deinem Gegner vorwirfst (es sei denn, du wendest sie satirisch an)!</h3>
<p>Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Wer nicht möchte, dass Menschen in ihrer Ehre dadurch gekränkt werden, dass sie als &#8220;Kopftuchmädchen&#8221; bezeichnet werden, der sollte auch selbst nicht Menschen in ihrer Ehre dadurch kränken, dass er sie als &#8220;Provokateure&#8221; bezeichnet. Das mag für eine Schlagzeilen-orientierte Medienwelt schwer zu bewerkstelligen sein, ist aber für jede ernsthafte Debatte unerlässlich. Sich gegenseitig einfach nur als &#8220;menschenverachtend&#8221; zu bezeichnen, wird niemandem inhaltlich weiterhelfen.</p>
<p>Satirisch gesehen kann man natürlich (sofern es als Satire ersichtlich ist), einen gegnerischen Fehler überspitzen und ihn damit entlarven. Ich habe mir zum Beispiel überlegt, dass ich Herrn Friedman ab sofort immer als &#8220;Gutmensch Friedman&#8221; bezeichnen könnte, so wie Herr Sarrazin als &#8220;Provokateur Sarrazin&#8221; bezeichnet wird. Es wäre mindestens genauso berechtigt. Aufgrund der hohen Emotionalität und Unbewusstheit der Debatte nehme ich aber von dieser Möglichkeit Abstand, weil ich selbst auf den Satireblog, auf dem Herr Sarrazin als rechtsradikaler Hetzer verunglimpft wird, hereingefallen bin. Und eine Satire, die nicht von allen als Satire erkennbar ist, wird zumindest teilweise zur Realität, und das möchte ich vermeiden.</p>
<h3>3. Sage nur das Nötigste, um Unschärfe zu vermeiden und die Debatte nicht zu zerreden!</h3>
<p>Wenn ich einen Debattierer aufgrund seiner Argumente widerlegen kann, warum muss ich ihn z.B. in seiner Integrität und Menschenwürde angreifen? Das würde nur von meiner guten Argumentation ablenken. Es ist sogar so, dass wenn jemand die Person angreifen muss, er offensichtlich argumentativ schwach auf der Brust ist und diese Schwäche selbst zur Schau stellt. Dann doch lieber: Einfach mal die Klappe halten.</p>
<h3>Anwendung</h3>
<p>Nach den drei genannten Prinzipien möchte ich gerne den Leitartikel des besagten von mir erstandenen SPIEGELs untersuchen (S. 22-30). Geschrieben wurde dieser von nicht weniger als 16 Journalisten: Kim Bode, Jörg Blech, Katrin Elger, Markus Feldenkirchen, Jan Fleichhauer, Christoph Hickmann, Guido Kleinhubbert, Dirk Kurbjuweit, Peter Müller, Christoph Pauly, René Pfister, Michael Sauga, Christoph Schwennicke, Holger Stark, Peter Wensierski und Antje Windmann. Der Titel: &#8220;Es gibt viele Sarrazins&#8221;.</p>
<p>Zu 1.: Das schwächste Argument, dass man bei Sarrazin angreifen kann, ist das &#8220;Juden-Gen&#8221;. Es ist nämlich überhaupt kein Argument für irgendetwas, und hat auch nichts mit dem roten Buch zu tun. Ich zitiere den vorletzten Absatz auf Seite 30 des SPIEGEL-Artikels:</p>
<blockquote><p>Seinen &#8220;größten Fehler&#8221;, wie er es nennt, habe er gemacht, weil er nicht im richtigen Moment nein gesagt hat: das Interview mit der &#8220;Welt am Sonntag&#8221;, in dem sich auch der Satz über das &#8220;Gen der Juden&#8221; findet. &#8220;Jeder Mensch hat eine Leistungsgrenze&#8221;, sagt Sarrazin, &#8220;und an die war ich gelangt, als ich das Interview dann auf Stellen gegengelesen habe, die schwierig werden könnten. Ich habe die Brisanz dieses Satzes, der mir zum Verhängnis wurde, nicht erkannt.&#8221; Aber er hatte ihn gesagt.</p></blockquote>
<p>Herr Sarrazin entschuldigt sich, weil er eine wissenschaftliche Arbeit über genetische Korrelationen bei Juden zitiert hat. Wird seine Entschuldigung angenommen? Nein! Statt dessen wird siegessicher &#8220;Aber er hatte ihn gesagt&#8221; angefügt, kurz vor Ende des Artikels. Man meint, Herrn Sarrazin durch ein Argument, dass er nicht mal anführt oder verteidigt, zu Fall bringen zu können. Das beweist nicht die Dummheit Sarrazins, sondern die seiner Gegner.</p>
<p>Das ganze Gerede über den Sarrazin&#8217;schen Biologismus ist eine einzige gewaltige Blendgranate. Würde Herr Sarrazin meinen, irgendjemand in diesem Land wäre aus genetischen Gründen so dumm, dass Hopfen und Malz verloren wären, würde er diesen Menschen den Zugang zur Bildung beschneiden wollen, um Geld zu sparen (Finanzsenator!). Aber Herr Sarrazin betont an allen Ecken und Enden, dass er maximale Bildung und Förderung für alle möchte. Er sagt lediglich, dass deswegen am Schluss nicht alle den gleichen IQ haben werden.</p>
<p>Jetzt aber mal zu den 10% stärksten Argumenten. Herr Sarrazin schreibt auf Seite 62 seines Buches:</p>
<blockquote><p>Die türkischstämmige Bevölkerung stellt unter den Absolventen des deutschen Bildungssystems die höchste Quote ohne Bildungsabschluss (30 Prozent) und die niedrigste mit Hochschulberechtigung (14 Prozent) und lässt darüber hinaus die geringsten Fortschritte bei den hier geborenen Generationen erkennen.</p></blockquote>
<p>Zum Vergleich erreichen bei Migranten aus dem Fernen Osten in der zweiten Generation bis zu 63 Prozent die Hochschulreife, bei Einheimischen sind es nur 38 Prozent. Wie aber können die Unterschiede zwischen Migranten aus dem Fernen Osten und türkischstämmigen Migranten durch die deutsche Bildungsungerechtigkeit erklärt werden, wie es <a href="http://www.zeit.de/2010/36/Intelligenz-Sarrazin" target="_blank">Intelligenzforscherin Elsbeth Stern</a> tut? Diese Frage ist zu beantworten, unabhängig davon, wie Herr Sarrazin sie beantwortet. Ich habe bisher noch von niemandem gehört, der sich ernsthaft an dieser Frage abgemüht hat.</p>
<p>Zu 2.: Herrn Sarrazin wird Menschenfeindlichkeit vorgeworfen. Ein Stück weit ist dieser Vorwurf berechtigt, weil er meint, aus statistischen Daten heraus auf die Motivation von Menschen schließen zu können (siehe Seite 150 seines Buches):</p>
<blockquote><p>Insbesondere unter den Arabern in Deutschland ist die Neigung weit verbreitet, Kinder zu zeugen, um mehr Sozialtransfers zu bekommen, und die in der Familie oft eingesperrten Frauen haben im Grunde ja kaum etwas anderes zu tun.</p></blockquote>
<p>Was schreibt der SPIEGEL über Herr Sarrazin (Hervorhebungen durch den Schreiber dieser Zeilen):</p>
<blockquote><p>Das sich unverstanden fühlende Deutschland, das nun gegen die Elite aufbegehrt, hat sich zu seinem Helden einen Mann erkoren, der so elitär <strong>denkt und fühlt</strong> wie kaum einer im politischen Milieu und der die <strong>Überlegenheit</strong>, die er gegenüber weniger gescheiten Menschen <strong>empfindet</strong>, schnell durchscheinen lässt. Viele Leute täuschen sich über seinen <strong>Hochmut</strong>, weil dieser durch die Ticks des Eigenbrötlers gemildert wird.</p>
<p>Was die meisten für eine schrullige Pose halten &#8211; das hochgereckte Kinn, die vor der Brust verschränkten Arme -, offenbart tatsächlich eine Weltsicht, in der von hoch oben das Gewühl und Gewimmel am Fuß des Berges in den Blick genommen wird.</p></blockquote>
<p>Es geht noch weiter damit, dass &#8220;am Grund von Sarrazins Denken &#8230; das Ressentiment&#8221; liegt. Aber das will ich meinen Lesern nicht weiter antun. Die Schreiber dieses SPIEGEL-Artikels haben jedenfalls den Fehler, den sie Sarrazin vorwerfen, in Perfektion selbst angewendet: Sie stellen durch Spekulation die Motivation und Integrität eines Menschen in Frage. Wäre schön, wenn es Satire wäre, ist es aber nicht.</p>
<p>Zu 3.: Auf Seite 26 des SPIEGEL-Artikels steht:</p>
<blockquote><p>Dennoch ist das Werk, das mit seiner Flut an Zahlen, Tabellen und Statistiken so seriös daherkommt, in vielen Fällen höchst angreifbar. Es enthält Fehlschlüsse und irrige Annahmen, unbewiesene Behauptungen und Scheinzusammenhänge.</p>
<p>So beziffert Sarrazin die Einwohnerzahl in Deutschland im Jahr 2100 mit 20 Millionen. Bevölkerungswissenschaftler gehen für das Jahr 2100 dagegen von 46 Millionen aus.</p></blockquote>
<p>Frei nach dem Motto: Dummer Laie gegen unfehlbare Wissenschaftler? Handelt es sich bei einer Spanne von 90 Jahren um eine Prognose oder eine Modellrechnung? Ist das eine bewiesene Behauptung? Man muss kein Wissenschaftler sein, um zu sehen, dass man über 90 Jahre hinweg keine sinnvolle Prognose vornehmen kann. Herr Sarrazins Zahl ist genauso spekulativ wie die der angeführten Bevölkerungswissenschaftlicher. Entweder sind die 16 Autoren des SPIEGEL-Artikels selbst einem Fehlschluss bzw. einer irrigen Annahme aufgesessen (Wissenschaftler haben immer Recht), oder es handelt sich um bösartige Manipulation (wovon ich nicht ausgehe).</p>
<p>Solche unnötigen groben Schnitzer erschweren den Blick auf manch gute Gedanken zum Phänomen Sarrazin. Weniger ist eben manchmal doch mehr.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.sein-und-nicht-sein.de/debattierleitfaden/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>3</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Gleichheit und Nicht-Gleichheit</title>
		<link>http://www.sein-und-nicht-sein.de/gleichheit-und-nicht-gleichheit/</link>
		<comments>http://www.sein-und-nicht-sein.de/gleichheit-und-nicht-gleichheit/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 11 Sep 2010 21:34:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Immanuel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.sein-und-nicht-sein.de/?p=252</guid>
		<description><![CDATA[Die Beziehung zwischen der Ungleichheit und der Gleichheit von Menschen entspricht der Beziehung zwischen der abzählbaren Unendlichkeit und der überabzählbaren Unendlichkeit, wie auch der Beziehung zwischen Individuum und Kollektivum: Jeder Mensch unterscheidet sich als Individuum von jedem anderen Menschen, unabhängig &#8230; <a href="http://www.sein-und-nicht-sein.de/gleichheit-und-nicht-gleichheit/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Beziehung zwischen der Ungleichheit und der Gleichheit von Menschen entspricht der<a href="http://www.sein-und-nicht-sein.de/bis-in-die-unendlichkeit/" target="_blank"> Beziehung zwischen der abzählbaren Unendlichkeit und der überabzählbaren Unendlichkeit</a>, wie auch der Beziehung zwischen Individuum und Kollektivum:</p>
<p>Jeder Mensch unterscheidet sich als Individuum von jedem anderen Menschen, unabhängig insbesondere von der genetischen Verfasstheit: Zwei eineiige Zwillinge, die zwar genetisch identisch sind, sind trotzdem zwei vollständig voneinander getrennte Persönlichkeiten. Gleiches würde auch für menschliche Klone gelten.</p>
<p><span id="more-252"></span>In dem Moment, wo man aber eine statistisch (mathematisch) relevante Vielzahl von Menschen betrachtet, verschwimmen die individuellen Unterschiede und kollektive Strukturen kommen zum Vorschein. Das Problem dabei: Ein Mensch kann sich nie mit der individuellen wie auch kollektiven Komponente des Menschen gleichzeitig beschäftigen, es geht nur zeitlich hintereinander. Das entspricht dem Phänomen in der Physik, dass man zwar den Teilchen- wie auch den Wellencharakter des Lichts in Experimenten beobachten kann, nie aber beides zugleich.</p>
<p>Der individuelle Charakter des Menschen entspricht dem Teilchencharakter des Lichts, der kollektive Charakter entspricht dem Wellencharakter des Lichts. Das hat schon <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gott_w%C3%BCrfelt_nicht" target="_blank">Einstein aus dem Konzept gebracht</a>:</p>
<blockquote><p>Die Theorie liefert viel, aber dem Geheimnis des Alten bringt sie  uns doch nicht näher. Jedenfalls bin ich überzeugt davon, dass der nicht  würfelt.</p></blockquote>
<p>Wieso sollte ein einzelnes Lichtteilchen (Quantum) im <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Doppelspaltexperiment" target="_blank">Doppelspaltexperiment</a> nach links oder rechts abbiegen, nur weil es die Statistik so will? Warum sollte es nicht einfach, wie es sich für Teilchen gehört, einfach geradeaus weiter fliegen? Warum sollte der Mensch, der einen freien Willen hat, den Gesetzen der Statistik unterworfen sein? Er kann doch seinen Weg geradeaus gehen, egal was die Statistik sagt!</p>
<p>Die heftige Debatte um Herrn Sarrazin liegt darin begründet, dass die einen den Teilchencharakter des Lichts betonen und wie Einstein nicht glauben können, dass der Alte würfelt, wenn er die Menschen durchs Leben laufen lässt. Die anderen berufen sich auf Statistiken und betonen den Wellencharakter des Lichts, und wähnen sich in Sicherheit, die individuelle Würde des Menschen dabei nicht anzutasten. Beide Seiten haben Recht und Unrecht zugleich, denn sie können den Zusammenhang zur Gegenposition nicht sehen.</p>
<p>Es gibt ein schönes jüdisches Sprichwort, das ich hier leider nur sehr frei wiedergeben kann (kann jemand meiner jüdischstämmigen Mitbürger vielleicht die Quelle nennen?):</p>
<blockquote><p>Jedes Kind vermehrt das Licht Gottes auf dieser Erde.</p></blockquote>
<p>Würde man diesen Satz verinnerlichen, wären zwei Probleme auf einmal gelöst:</p>
<ol>
<li>Die geheimnisvolle Beziehung zwischen Individuum und Kollektivum wäre aufgrund der Lichtanalogie leicht zu verstehen.</li>
<li>Man müsste studierten Menschen keine 50.000 € mehr zahlen (was Sarrazin als Lösungsvorschlag für hohe Kinderlosigkeit der gebildeten Schichten anführt), damit sie das Licht Gottes auf dieser Erde vermehren. Man würde schon allein deswegen Kinder bekommen, um mehr von der Sonne zu haben.</li>
</ol>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.sein-und-nicht-sein.de/gleichheit-und-nicht-gleichheit/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Angst</title>
		<link>http://www.sein-und-nicht-sein.de/angst/</link>
		<comments>http://www.sein-und-nicht-sein.de/angst/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 04 Sep 2010 08:34:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Immanuel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.sein-und-nicht-sein.de/?p=247</guid>
		<description><![CDATA[Aufgrund einer sehr fruchtbaren Diskussion über die Gefühlskontrolle (vor allem mit Sergej und normanno, danke!) bin ich glaube ich gedanklich der Wurzel für die heftige Debatte um Herrn Sarrazin näher gekommen: Die enorm ausgeprägten Ängste aller Beteiligten. Angst von Herr &#8230; <a href="http://www.sein-und-nicht-sein.de/angst/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Aufgrund einer sehr fruchtbaren <a href="http://www.sein-und-nicht-sein.de/gefuehlskontrolle/#comments" target="_blank">Diskussion über die Gefühlskontrolle</a> (vor allem mit Sergej und normanno, danke!) bin ich glaube ich gedanklich der Wurzel für die heftige Debatte um Herrn Sarrazin näher gekommen: Die enorm ausgeprägten Ängste aller Beteiligten.</p>
<p>Angst von Herr Sarrazin vor Überfremdung. Angst der politischen Klasse vor Herrn Sarrazins Aussagen und damit vor ihm. Angst der nicht-deutsch-stämmigen Mitbürger vor Ausgrenzung und Diskriminierung.</p>
<p><span id="more-247"></span>Alle diese Ängste haben einen nicht zu unterschätzenden rationalen Kern. Würde man nur diesen rationalen Kern haben, stände einer konstruktiven Debatte und einer Annäherung von ursprünglich sehr weit voneinander entfernten Standpunkten nichts im Wege. Da sich dieser rationale Kern aber in der Angst versteckt, wird die Debatte ein Kampf um Leben und Tod, in dem der Andersdenkende aufgrund seiner Andersartigkeit zur Bedrohung der eigenen Existenz wird. Und dann kommt der Punkt, an dem die Selbstverteidigung einsetzt, nach dem Motto: Entweder der andere stirbt, oder ich. Entweder Deutschland schafft sich ab, oder Herr Sarrazin.</p>
<p>An diesem Punkt trägt jedes Wort, das gesprochen wird, zu einer Verschlimmerung der Situation bei, so wie jede Gewehrkugel bestenfalls einen Menschen tötet, ihn aber niemals heilen kann.</p>
<p>Je wackliger die Identität eines Menschen ist, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass er Ängste entwickelt. Jemand, der völlig eins mit sich selbst ist (um seine Identität weiß), hat in dieser Welt nichts zu fürchten, denn man kann ihm schlimmstenfalls sein Leben nehmen, nicht aber die Freiheit.</p>
<p>Ich mache jetzt eine Woche Urlaub in Dänemark an der Nordsee (werde aber wohl kaum Dänisch sprechen <img src='http://www.sein-und-nicht-sein.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> ), und werde mich von der mich sehr viel Kraft kostenden letzten Woche erholen (also nicht auf meinen Blog schauen, oder schreiben).</p>
<p>Ich würde mich aber freuen, wenn meine Leser ihre Ängste, die sie um sich, unser Land und diese Welt haben, als Ängste formulieren, und hier als Kommentar festhalten könnten. Dabei wichtig: Nicht die Ängste irgendjemanden zum Vorwurf machen, der dafür angeblich verantwortlich ist, sondern eine  <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ich-Botschaft" target="_blank">Ich-Botschaft</a> senden. Wenn das getan wird, wird mit den Ängsten auch deren rationaler Kern kommuniziert, und wir werden in die Lage versetzt werden, einen konstruktiven Dialog darüber zu führen, wie diese Ängste abgebaut werden können.</p>
<p>Und der Mensch ist nun mal nicht frei, sofern er nicht frei von Ängsten ist. Lasst uns gemeinsam daran arbeiten, frei zu werden. In uns, in unserem Land, in unserer Welt.</p>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow: hidden;">http://www.sein-und-nicht-sein.de/gefuehlskontrolle/#comm</div>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.sein-und-nicht-sein.de/angst/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>11</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

