Anleitung für Twitter-Diskussionen

Nach ein wenig anfänglicher Mühe, haben sich inzwischen einige sehr interessante und gewinnbringende Diskussion auf Twitter entspannt. Auch zwischen Teilnehmern, bei denen nicht sofort ersichtlich war, dass sich eine sachliche Ebene entwickeln wird.

Allerdings bringt Twitter spezifische Herausforderungen mit, die eine Debatte noch herausfordernder machen, als sie eh schon ist (siehe auch meinen Debattierleitfaden):

  1. Nur 140 Zeichen pro Nachricht verfügbar.
  2. Unbegrenzte Verzweigung der Antworten möglich (es entsteht ein Antwort-Baum).
  3. Benachrichtigungen an alle bisherigen Beteiligten.

Diesen Artikel schreibe ich, weil ich die Diskussionen zwar sehr schön finde, aber sie mich aufgrund der Unstrukturiertheit und Parallelität (auch von vielen Themen), zeitlich etwas überfordern. Daher will ich versuchen, anhand eines Leitfadens, strukturiertere und fokussiertere Diskussionen zu erreichen. Los geht’s!

  1. Achte auf einen lineare Tweet-Historie! Ansonsten kann im Nachhinein niemand mehr der Diskussion folgen, weil der zeitliche Ablauf im Antwort-Baum nicht nachvollzogen werden kann. Wenn du aus Versehen eine parallele Antwort gemacht hast, lösche sie lieber und hänge sie ans Ende des Diskussionsfadens an.
  2. Begrenze dich auf 140 Zeichen! Selbst wenn du nicht alles sagen konntest, warte lieber auf eine Rückfrage, bevor du weiter erläuterst. Wenn viele Personen beteiligt sind, sind sonst parallele Tweets nicht zu vermeiden, und wenn dir die 140 Zeichen nicht schmecken, versuche es mit Facebook oder einem Blog. 140 Zeichen sind tough (und haben Nachteile), aber sie führen auch zu einer sehr verdichteten Debatte, die Freude macht zu lesen (und einen nicht einschlafen lässt).
  3. Bleibe bitte beim Thema des Ursprungs-Tweets. Falls dir ein Thema wichtig erscheint, oder dir auffällt, dass das Thema gewechselt wurde, weise in einem Tweet darauf hin (und verlinke gerne einen eigenständigen Tweet, der das neue Thema bearbeitet). So werden am Ende zu jedem Thema hochinteressante Tweet-Folgen entstehen, die auch nach längerer Zeit noch fortgeführt werden können, und wirklich kondensierte Erkenntnis sind. Etwas, das man später in einer Zeitung abdrucken könnte.
  4. Benutze die Tweets nicht als Chat, in den man jeden daher gelaufenen Gedanken ablädt, sondern lass dir Zeit und antworte wohl überlegt. Meistens kann man auch im Dialog mit sich selbst einen Schritt weiter kommen, bevor man den Ball wieder zurückspielt.
  5. Mach es deinen Diskussionspartnern leicht, dir wertvolle Antworten zu geben. Provoziere sie nicht, sondern erweise ihnen Respekt, dann werden sie das Gleiche auch mit dir tun. So werdet ihr herausfinden, dass die Erkenntnis, die man gemeinsam in einem echten Dialog gewinnen kann, eine völlig andere Dimension hat, im Vergleich zu den Schlammschlachten, die man auch oft auf Twitter sieht.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen tolle Twitter-Erkenntnisse 😉 !

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