Letzte Woche bin ich durch die Tagesthemen auf einen Dokumentarfilm zum Thema Lebensmittelverschwendung aufmerksam geworden, der seit 08. September in den Kinos ist: Taste the Waste.
Es ist nicht der erste Film, der mir zu diesem Thema über den Weg läuft. Im Sommer 2007 sah ich We Feed The World, der ebenfalls die Absurditäten der westlichen und insbesondere der europäischen Agrarpolitik und -wirtschaft thematisiert. Das Angenehme an diesem Film war die sachliche Distanz des Filmemachers Erwin Wagenhofer zu einem Thema, bei dem die Emotionen sehr leicht hoch kochen können: Selbst als der Nestlé-Konzernchef Peter Brabeck-Letmathe erklärt, warum die Versorgung mit Wasser seiner Meinung nach kein Grundrecht sein sollte, wird kein moralischer Zeigefinger erhoben. So war eine Annäherung an das Thema möglich, ohne selbst eine moralische Instanz sein zu müssen.
Was ich aber auf einem ersten Streifzug durch die Weiten des Internets zum Thema Taste the Waste aufschnappen konnte, löst bei mir unterschwellig Irritationen aus. Es muss gar nicht viel mit dem Film selber zu tun haben, eher damit wie er angekündigt und besprochen wird. Ich habe in mich hinein gehorcht und versucht herauszufinden, was es eigentlich ist, das mich unangenehm berührt. Ich weiß nicht, ob ich dabei erfolgreich war, aber ich glaube es ist die Logik, die auch dem gegenüber Kindern gern benutzten Satz innewohnt:
Iss dein Brot auf, in Afrika müssen die Kinder hungern!
Dabei ist die Frage aufgekommen, inwiefern die Formulierung der Menschenrechte auf das Christentum zurückzuführen sind. Irgendwann im Nachhinein stellte sich mir dann folgende Frage:
Kann eine Religion ein Menschenrecht formulieren, dass deren Gott selbst den Menschen nicht zubilligt?
Religionen, die eine ewige Verdammnis annehmen, die aufgrund der Wahl der falschen Religion (oder eben keiner Religion) verhängt wird, stellen sich einen Gott vor, der den Menschen keine Religionsfreiheit zugesteht. Auf welcher Basis sollten diese Religionen dann den Menschen in diesem Leben Religionsfreiheit zugestehen? Inkonsequenz?
“Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland.” (Christian Wulff)
Auf den Artikel oder die Rede von Herrn Wulff will ich gar nicht weiter eingehen, sondern nur auf das “christlich-jüdische Paradoxon”, wie ich es nenne. Denn laut Herrn Wulff (und darin stimmt ihm Frau Maron zu), gehört das Judentum in gleicher Weise zu Deutschland wie das Christentum. Streit besteht nur darüber, inwiefern der Islam dazugehört.
Meines Erachtens stimmt nicht mal die Feststellung, in der sich die beiden einig sind: In der “christlich-jüdischen” Geschichte steht das “jüdisch” nur für das christliche Verständnis von “jüdisch”. Das Selbstverständnis der Juden selber wird hierbei völlig ignoriert. Man könnte aus jüdischer Sicht diese Geschichte treffender als “christlich-anti-jüdisch” bezeichnen. Diese Aussage möchte ich nicht nur einfach in den Raum stellen, sondern auch begründen: Weiterlesen →
Ich bin tapfer auf einen sehr bemerkenswerten Blogeintrag im Nirgendwo gestoßen: Perfektionierte Juden. Vor allem der vorletzte Satz hat es in sich:
Was dem Christen sein Jude, ist dem Moslem sein Christ.
Die Parallelen zwischen Islam und Christentum haben ihre Grenzen, aber dieser Satz hat meines Erachtens mehr Substanz, als vielen Christen lieb sein dürfte.
Es gibt Zeiten, da kann man nicht in Worte fassen, was man empfindet. Aber es gibt Musik, die mehr ausdrückt, als Worte sagen können. Zur Zeit höre ich oft das Lied “Abandoned” von Alexander Rybak. Denn es bringt das Gefühlsdilemma, das ich gegenüber dem Bild des von den Christen als Gott angebeteten Jesus empfinde, mit jeder Note und jedem Wort so gut zum Ausdruck, als ob es nur zu diesem Zweck geschrieben worden wäre:
In der Integrationsdebatte wird so wie auf Herrn Sarrazin wegen seiner Gene auf die Politik wegen ihrer Versäumnisse in der Integrationspolitik eingeschlagen. Aber das, was ich an anderen Menschen kritisieren kann, ist meistens nur ein Spiegel meiner selbst. Genauso ist die Politik, die von der Bevölkerung kritisiert wird, nur ein Spiegel der Bevölkerung selbst und nicht etwas der Bevölkerung Fremdes. Wenn zwischen der Politik und der Bevölkerung ein Graben zu sehen ist, dann ist das nicht der Graben zwischen zwei Klassen, sondern ein Graben in der Bevölkerung selbst und damit in jedem einzelnen von uns (natürlich gibt es eine stochastische Verteilung, einige haben den Graben stärker, andere weniger).
Warum ist Integrationspolitik eigentlich schief gelaufen? Ist es überhaupt so schwierig? Meines Erachtens ja, denn in der Integrationspolitik der westlichen Welt findet eigentlich eine Auseinandersetzung mit dem wohl bekanntesten christlichen Grundsatz statt:
Ein Vorgesetzter hat einen Mitarbeiter nicht zur Gehaltserhöhung vorgeschlagen. Der Mitarbeiter reichte seine Kündigung ein. Das wurde von den Kollegen bedauert, denn er war allgemein beliebt. Es wurde darüber diskutiert, ob man etwas unternehmen sollte.
Nach 3 Minuten sollte man dann die anschließenden 13 Aussagen mit R (richtig), F (falsch) oder ? (nicht sicher) beantworten: Weiterlesen →
Ich habe gestern das erste Mal den SPIEGEL gekauft, weil mir ein ein bekanntes Gesicht freundlich entgegenblickte. Der Titel der Ausgabe vom 06.09.10 lautet “Volksheld Sarrazin – Warum so viele Deutsche einem Provokateur verfallen”. Warum ich den Titel Provokateur für Herrn Sarrazin sprachlich hochgradig manipulativ finde, habe ich bereits erläutert.
Insofern habe ich mir ehrlich gesagt nicht viel von den Artikeln über Sarrazin erwartet (ein Lichtblick: Herr Broder, wird mir immer sympathischer). Nach dem Motto: Es könnte schlimmer kommen, und es kam schlimmer.
Ein Buch, das Deutschland meiner Meinung nach heute dringender denn je bräuchte: Wie führe ich eine Debatte? Wenn jemand etwas Vergleichbares kennt, bitte ich um sachdienliche Hinweise. Denn sonst ist der Satz “Deutschland debattiert” gleichbedeutend mit “Deutschland schafft sich ab”. Hier also ein kleiner, unzureichender Leitfaden von meiner Seite:
Jeder Mensch unterscheidet sich als Individuum von jedem anderen Menschen, unabhängig insbesondere von der genetischen Verfasstheit: Zwei eineiige Zwillinge, die zwar genetisch identisch sind, sind trotzdem zwei vollständig voneinander getrennte Persönlichkeiten. Gleiches würde auch für menschliche Klone gelten.
Aufgrund einer sehr fruchtbaren Diskussion über die Gefühlskontrolle (vor allem mit Sergej und normanno, danke!) bin ich glaube ich gedanklich der Wurzel für die heftige Debatte um Herrn Sarrazin näher gekommen: Die enorm ausgeprägten Ängste aller Beteiligten.
Angst von Herr Sarrazin vor Überfremdung. Angst der politischen Klasse vor Herrn Sarrazins Aussagen und damit vor ihm. Angst der nicht-deutsch-stämmigen Mitbürger vor Ausgrenzung und Diskriminierung.