Antisemitische Strukturen in der christlichen Theologie

Ich bin tapfer auf einen sehr bemerkenswerten Blogeintrag im Nirgendwo gestoßen: Perfektionierte Juden. Vor allem der vorletzte Satz hat es in sich:

Was dem Christen sein Jude, ist dem Moslem sein Christ.

Die Parallelen zwischen Islam und Christentum haben ihre Grenzen, aber dieser Satz hat meines Erachtens mehr Substanz, als vielen Christen lieb sein dürfte.

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16 Kommentare zu Antisemitische Strukturen in der christlichen Theologie

  1. Roderich sagt:

    Darin sehe ich noch keine „antisemitischen Strukturen“.
    Als Christ glaubt man, dass Juden den Messias – Jesus Christus – als solchen noch nicht erkannt haben. Aber es ist keine logische Schlussfolgerung daraus, dann antisemitisch zu werden. Man glaubt halt, dass das heutige Judentum nicht „stimmt“, bzw. nicht die richtige Theologie hat, aber deshalb hat man doch noch nichts gegen die Menschen.
    (Man kann ja auch den Islam kritisieren, ohne etwas gegen die Moslems als Person zu haben).
    Aus der Tatsache, dass ich die Sichtweise einer anderen Person fuer falsch erachte, folgt noch nicht, dass ich nicht trennen kann von Person und Gedanken. Viele haben -und hatten in der Geschichte – damit aber durchaus Probleme; simpel gesagt, sie differenzier(t)en nicht genug zwischen Person und Gedanken, und / oder haben einfach das christliche Liebesgebot nicht verstanden, oder haben nicht genug um Kraft gebetet, um es auch einhalten zu koennen.

  2. Immanuel sagt:

    Ich denke, der Begriff Antijudaismus drückt besser aus, was ich meine. Der Zusammenhang zwischen Antijudaismus und Antisemitismus ist umstritten, und daher will ich an dieser Stelle nicht einfach einen kausalen Zusammenhang zwischen ersterem und letzterem herstellen, ohne den Grund dafür genau zu erörtern. Daher hätte der Titel dieses Beitrags besser lauten sollen:

    Antijudaistische Strukturen in der christlichen Theologie

    Dass die Juden Jesus nicht als Messias erkannt haben, glauben nicht nur die Christen, sondern die Juden selber. Die Frage, ob Jesus tatsächlich der Messias war oder nicht, ist meines Kenntnisstandes nach auch gar nicht das Hauptproblem zwischen Juden und Christen. Wenn Jesus wieder kommen wird, können ihn die Juden einfach fragen, ob er das erste oder zweite Mal kommt. Und dann wird die Frage beantwortet sein.

    Die Christen glauben viel mehr, dass die mündliche Überlieferung der Juden (die Reflexion über die schriftlich überlieferten Texte, die laut den Juden Moses von Gott genauso anvertraut wurde wie auch die Texte) falsch ist. Und sie glauben, dass statt dessen die mündliche Überlieferung der Christen richtig ist. Und die Mauer zwischen Juden und Nicht-Juden, die durch Jesus eigentlich niedergerissen wurde, haben Menschen innerhalb von 3 Jahrhunderten durch eine neue Mauer ersetzt. Früher war die Mauer das mosaische Gesetz, von Gott gegeben, um die Juden von den Nicht-Juden abzusondern. Spätestens seit dem Konzil von Nicäa heißt die neue Mauer christliche Theologie, die jetzt umgekehrt dafür sorgt, dass die Christen (Nicht-Juden) von den Juden abgesondert sind. Aber ich kann nirgends in der schriftlichen Überlieferung über Jesus erkennen, dass er wollte, dass seine Nachfolger an der Stelle eine neue Mauer aufbauen, wo vorher die alte Mauer stand.

    In 5. Mose 32, 21 steht:

    Sie haben mich zum Eifer gereizt mit dem, was kein Gott ist, durch ihre Götzen haben sie mich erzürnt; und ich will sie auch reizen durch ein Volk, das kein Volk ist; durch ein törichtes Volk will ich sie zum Zorne reizen!

    Paulus zitiert diesen Vers in Römer 10, 19. Wenn das Christentum tatsächlich die Prophezeiung erfüllen und das Judentum zum Zorne reizen soll, dann trifft die Beschreibung des törichten Volkes, das kein Volk ist, den Nagel auf den Kopf: Selbst wenn Jesus tatsächlich der Messias war und ist, dann hat ihn die christliche Theologie noch weniger erfasst und erkannt wie das Judentum. Denn das Judentum ist sich nur unschlüssig darüber, wer (welcher Mensch) der jüdische Messias ist. Das Christentum ist sich aber unschlüssig schlüssig darüber, was (Gott oder Mensch) der jüdische Messias überhaupt ist.

  3. gabalis sagt:

    Dass im Christentum nicht alles gut war oder ist, ist eigentlich klar. Ich kann persönlich nicht erkennen, dass das Christentum, wie es im NT dargestellt wird, antijüdisch ist (allenfalls in dem Sinne, dass es sich für das Bessere hält – s. Hebräerbrief!), geschweige denn antisemitisch. Insofern sind antijüdische Tendenzen in der Kirchengeschichte offensichtliche Fehlentwicklungen, die dann in der christlich geprägten Welt furchtbare Früchte getragen haben. Auch Jesus hat die Überlieferung der Juden kritisiert, denn sie führte in die falsche Richtung. Aber du hast Recht – eine Mauer zwischen Christen und Juden wollte er nicht. Paulus auch nicht – im Gegenteil (s. Eph 2:14-16). Paulus hat allerdings auch gesagt, dass Christus das Ende des Gesetzes zur Gerechtigkeit ist für jeden der glaubt (Röm 10:4). Wenn ein Jude nicht glaubt an Christus, hat er aber nur das Judentum. (s.a. 2. Kor 3:12-16).

  4. … das Christentum, wie es im NT dargestellt wird …

    Jemand, der antijüdische Tendenzen im NT finden möchte, wird sie finden, und derjenige, der sie nicht finden möchte, wird sie nicht finden. Entsprechend unserer Diskussion über die Rezeption von Aussagen kann auch das NT nicht ohne Interpretation gelesen werden. Insofern redest du über das Christentum, wie es sich dir im NT darstellt, nicht wie es im NT dargestellt wird.

    „Die Überlieferung der Juden“ ist genau so wenig ein monolithischer Block wie die christliche Überlieferung. Sie gleicht viel mehr einem Baum, der sich mit zunehmender Zeit immer mehr verästelt. Wenn Jesus sich gegen Überlieferung gewehrt hat (wie z.B. in Matthäus 15:3), hat er sich dann gegen bestimmte Äste gewehrt, oder hat er den ganzen Baum gemeint? Wenn er alles, was man als jüdische Überlieferung bezeichnen kann, verworfen hätte, so hätte er z.B. in ständigem Streit mit seinen Eltern leben müssen, wovon aber nicht berichtet wird. Und wenn er in Markus 2:27 sagt, der Sabbat sei um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen, so bestätigt er einen Teil der Überlieferung, während er denjenigen Teil in Frage stellt, der die Reihenfolge auf den Kopf stellt. Alles das, was man als jüdische Überlieferung bezeichnet, pauschal als durch Jesus als falsch entlarvt anzusehen, ist zutiefst antijüdisch, weil es alles jüdisches Wissen, das über die den christlichen Lesern bekannten Bibeltexte hinausgeht, als irrelevant und irreführend abstempelt. Und der Wunsch der Christen, alle Juden würden wie die Christen glauben, ist dann gleichbedeutend damit, dass das Judentum mit seiner Überlieferung doch verschwinden möge.

    Epheser 2:14-16 ist interessant (zitiert aus der Elberfelder von 1905):

    Denn er ist unser Friede, der aus beiden eines gemacht und abgebrochen hat die Zwischenwand der Umzäunung, nachdem er in seinem Fleische die Feindschaft, das Gesetz der Gebote in Satzungen, hinweggetan hatte, auf daß er die zwei, Frieden stiftend, in sich selbst zu einem neuen Menschen schüfe, und die beiden in einem Leibe mit Gott versöhnte durch das Kreuz, nachdem er durch dasselbe die Feindschaft getötet hatte.

    Ich verstehe diese Verse so, dass das mosaische Gesetz seine Funktion als Umzäunung (also als Trennung zwischen Juden und Nicht-Juden) durch Jesus verloren hat. Dass das Gesetz aber keinen tieferen Sinn haben soll als nur aufzuzeigen, wie unfähig der Mensch ist, ist etwas absurd. Denn das würde bedeuten, dass das mosaische Gesetz reine Schikane gewesen ist, und es nach Jesus noch zu halten völlig blödsinnig ist. Auch das ist antijüdisch.

    Römer 10:3-5 (diesmal nach der Schlachter):

    Denn weil sie die Gerechtigkeit Gottes nicht erkennen und ihre eigene Gerechtigkeit aufzurichten trachten, sind sie der Gerechtigkeit Gottes nicht untertan. Denn Christus ist des Gesetzes Ende zur Gerechtigkeit für einen jeden, der da glaubt. Mose beschreibt nämlich die Gerechtigkeit, die durch das Gesetz kommt, also: «Der Mensch, welcher sie tut, wird dadurch leben.»

    Diese Verse sagen meines Erachtens aus, dass sich das Gesetz nicht eignet, um seine eigene Gerechtigkeit aufzurichten. Insofern ist Christus für dieses Bestreben mit dem Gesetz das Ende. Aber das ändert nichts daran, dass das Gesetz dem Leben dient, und diese Bedeutung hat es durch Jesus nicht verloren. Diese Bedeutung aber zu leugnen, richtet sich gegen den Kern des Judentums und ist wiederum als antijüdisch zu bezeichnen.

  5. gabalis sagt:

    Du schreibst: Insofern redest du über das Christentum, wie es sich dir im NT darstellt, nicht wie es im NT dargestellt wird.

    Wie wird es dann dargestellt? Du meinst also damit, dass mein Verständnis des NT nicht unbedingt dem entspricht, wie das Christentum im NT dargestellt wird? Ich behaupte ja nicht, alles zu verstehen, sondern will mein Verständnis auf dem aufbauen, was ich bisher als (relativ) sicher erkennen konnte.

    Du schreibst auch: Aber das ändert nichts daran, dass das Gesetz dem Leben dient, und diese Bedeutung hat es durch Jesus nicht verloren.

    Das würde ich voll unterstreichen – ich habe sogar in diesem Sinne gepredigt (dein Vater war zufällig dabei). Das Gesetz ist lebensbejahend („dadurch sollt ihr Leben“), und zielt (auch) auf ein gelingendes Leben als Einzelner und in der Gemeinschaft. Ich denke z.B. im Moment auch, dass Gott im Gesetz die Homosexualität deswegen verurteilt – sie ist im Grunde gegen das Leben an sich gerichtet, weil sie kein neues Leben hervorbringt.

    Zusammenfassend könnte man sagen, Jesus hat die falschen Tendenzen in der jüdischen Überlieferung verurteilt, auf die ursprüngliche Absicht des Gesetzes hingewiesen und sie bestätigt und diese dann auf sich bezogen (eben: ich bin das Leben!).

  6. Immanuel sagt:

    Wie das Christentum im NT dargestellt wird, kann nur jeder für sich selber beantworten. Wäre die Bibel in einer formalen Sprache geschrieben (wie z.B. einer Programmiersprache), wäre das anders, aber zum Glück ist dies nicht der Fall, sonst wäre sie todlangweilig ;-).

    Damit will ich nicht sagen, dass nicht alle den gleichen Text lesen (die Unterschiede zwischen den Übersetzungen will ich an dieser Stelle mal vernachlässigen). Aber um natürlich-sprachliche Texte zu verstehen, muss man eine Menge „zwischen den Zeilen lesen“. Kleine Verständnisunterschiede in Details können aber das Verständnis des Gesamtzusammenhangs beeinflussen. Durch den hermeneutischen Zirkel, der aus einer wechselseitige Beeinflussung des Verständnisses von Gesamtzusammenhang und Detail besteht, kann ein Schmetterlingseffekt beim Verständnis auftreten: Kleine Verständnisunterschiede in Details können unglaublich große Folgen haben. Nicht umsonst spielt der Schmetterlingseffekt in der Chaostheorie eine wichtige Rolle.

  7. Yael sagt:

    „Dass die Juden Jesus nicht als Messias erkannt haben, glauben nicht nur die Christen, sondern die Juden selber.“

    Wie kommen Sie darauf? Ich hoffe, das bezieht sich nicht auf sog. messianische Juden, die in der Mehrheit halachisch gar keine Juden sind. Aus jüdischer Sicht kann Jesus nicht der Maschiach gewesen sein.

  8. Immanuel sagt:

    Hallo Yael, ich habe den Satz missverständlich formuliert. Ich wollte damit einfach sagen, dass die Juden nicht glauben, dass Jesus der Messias gewesen ist.

    Woher weißt du eigentlich, dass diejenigen, die sich als messianische Juden bezeichnen, in der Mehrheit halachisch gar keine Juden sind? Gibt es darüber Statistiken? Das würde mich interessieren.

  9. Yael sagt:

    Es gibt keine Statistiken, aber messianische Juden nehmen sowohl Juden als auch Christen in ihre Gemeinden auf. Die wenigsten davon sind aber wirklich halachisch Juden. Das bekommt man eher mit, als das man es statistisch belegen kann.

  10. Roderich sagt:

    @Yael:
    „Aus jüdischer Sicht kann Jesus nicht der Maschiach gewesen sein.“

    Das ist sehr simplifiziert ausgedrueckt; was heisst „aus juedischer Sicht“. Das ist doch eine Meinungssache. Viele Juden sind zu dem Schluss gekommen, dass Jesus der Messias war. Also „kann“ er es offenbar doch „gewesen sein“.

    Sag doch lieber „aus Deiner Sicht“ kann er es nicht gewesen sein, und begruende es dann.

  11. Immanuel sagt:

    @Roderich:
    Kann man sagen, dass Jesus „aus christlicher Sicht“ zugleich Gott war? Oder ist das auch eine Meinungssache?

  12. Roderich sagt:

    @Immanuel,
    Ja, klar. Das weisst Du doch noch… 🙂

  13. Immanuel sagt:

    Das weiß ich schon noch. Dann frage ich mich aber, warum man über die „christliche Sicht“ sprechen kann, ohne von seiner eigenen Meinung sprechen zu müssen, während die „jüdische Sicht“ so umstritten sein soll, dass man besser von der „eigenen Sicht“ sprechen sollte, um die Dinge nicht zu simplifiziert auszudrücken. Mir erscheint das wie zweierlei Maß.

  14. Roderich sagt:

    @Immanuel, okay, so kann man es sehen. (Ich meinte nur, die Aussage, er „kann gar nicht“ der Messias gewesen sein, kam bei mir etwas apodiktisch rueber. Aber vermutlich bin ich genauso apodiktisch in manchen meiner Aussagen). 🙂

  15. Yael sagt:

    „Viele Juden sind zu dem Schluss gekommen, dass Jesus der Messias war. Also “kann” er es offenbar doch “gewesen sein”.

    Sag doch lieber “aus Deiner Sicht” kann er es nicht gewesen sein, und begruende es dann.“

    Aus jüdischer Sicht, denn es gibt Bedingungen für den Maschiach. Was einzelne Juden sehen, ist nicht der Punkt.

    1.er muss ein mitglied vom stamm juda sein (gen. 49:10)
    2. er muss ein direkter nachkomme von melech david und melech schlomo sein (1 chron 17:11; tehillim 89: 29-38; jerem. 33:17 u.a.)
    3. er muss das jüdische volk aus dem exil nach israel führen (jes. 27:12-13 & 11:12)
    4. er muss frieden in die welt bringen (jes. 2:4; 11:6 & micha 4:3)
    5. er muss den dritten tempel errichten (micha 4:1)
    6. er muss die ganze welt dazu bringen haschem anzuerkennen und dem Einen zu dienen (jes. 11:9; jes. 40:5, zefania 3:9)

    Wenn ein individuum, welches glaubt, der meschiach zu sein, oder von dem andere glauben, er sei es, eines dieser kriterien nicht erfüllt – ist er nicht der jüdische meschiach.

  16. Roderich sagt:

    @Yael,
    vielen Dank, dass Du Dir die Muehe gemacht hast, einige Argumente aufzuzaehlen. Das finde ich sehr interessant.
    Ich muesste mich naeher damit befassen. Spontan dazu folgendes:
    – Matthaeus 1, 3 nennt Juda als im Stammbau Jesu Christi.
    – Matthaeus 1,1 und 1,6 nennt David als direkten Vorfahren Jesu Christi.
    – Jes 27,12-13: „Zu der Zeit wird man mit einer grossen Posaune blasen, und es werden kommen die Verlorenen im Lande Aegypten und werden den Herrn anbeten auf dem heiligen Berge“. (Ich habe keine Exegese zu dieser Stelle gelesen. Kann sich der Text nicht auch auf Heiden beziehen, die (durch Jesus Christus) an Gott glauben? (Laut Paulus sind Christen ein Teil des Volkes Gottes, siehe Roemer 11,17: Wilde Oelzweige, die in den Oelbaum (d.h. das Volk Gottes) eingepfropft worden sind). Und wenn es sich nur auf Juden beziehen sollte – eventuell wird diese Verheissung ja noch erfuellt, oder ist schon teil-erfuellt?)
    – Jesaja 2,4: Frieden in der Welt: Ansatzweise ist das schon dahingehend erfuellt, als Jesus in seinen Nachfolgern wohnt, und sie berufen hat, Friedensbringer zu sein. (Matth. 5,9: „Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heissen“. Das ist auch ein zentraler Punkt: Gott will die Welt durch Seine Kinder zum Guten veraendern). Es duerfte ungemein schwierig sein, geschichtlich nachzuweisen, wieviel „Frieden“ das Christentum in die Welt gebracht hat, weil man z.B. das Europaeische Mittelalter mit einem Europa vergleichen muesste, bei dem kein Evangelium gegeben haette. Und man kann auf zahlreiche Kriege im Namen des Christentums verweisen. (Insgesamt glaube ich aber, die Bilanz des (echten) Christentums ist ueberwiegend positiv, aber das kann man auf die Schnelle hier nicht „beweisen“. Siehe das Buch „Wie das Christentum die Welt veraenderte“ von Alvin Schmidt.)
    Vielleicht ist das aber auch geistlich zu verstehen. (Wer zu Gott kommt, d.h. mit Gott versoehnt wird und Vergebung fuer seine Suenden erhaelt, nur der hat Frieden).
    Und vielleicht ist das eschatologisch zu verstehen – Christen glauben ja an das „Schon jetzt und noch nicht“. Das Reich Gottes (in dem Frieden herrscht) ist schon jetzt angebrochen – da, wo Menschen zu Gott umkehren, also da, wo Gott herrscht – und es ist gleichzeitig noch nicht da. Es wird vollendet werden, wenn der Messias (aus christlicher Sicht zum zweiten Mal) kommen wird und Sein Reich aufrichten wird in Herrlichkeit und Macht.

    – Micha 4,1: „In den letzten Tagen… von Zion wird Weisung ausgehen und des Herrn Wort von Jerusalem“. Die letzten Tage sind ja evtl. noch nicht angebrochen. In der Sichtweise vieler Christen steht das noch aus. (Siehe dazu das Buch „Offenbarung“ am Ende des Neuen Testaments).
    Eine andere Gruppe von Christen interpretiert diese Dinge im symbolischen Sinne. (Denn nicht alle Aspekte des A.T. sind woertlich zu nehmen; manche sind bewusst als Metapher gemeint, oder als symbolisch. Es kann sich auf das „geistliche Jerusalem“ beziehen, siehe Gal. 6,16 „Friede und Barmherzigkeit ueber sie und ueber das Israel Gottes“.)
    – In Philipper 2,11 heisst es ja, dass alle Welt zu Gott kommen wird (durch Jesus Christus). Siehe auch 1.Korinther 15,24… danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, uebergeben wird, nachdem er alle Herrschaft und alle Macht und Gewalt vernichtet hat. Denn er muss herrschen, bis Gott ihm alle Feinde unter seine Fuesse legt“(Psalm 110.1).

    Abgesehen von diesen Stellen wuerde ich mal ganz grundsaetzlich z.B. das Johannesevangelium durchlesen und schauen, ob solche Wunder von einem „Menschen“ stammen koennen, oder ob (falls das NT wahrhaftig ist in seiner Beschreibung) Jesus der Messias gewesen sein muss.
    (Wieviele Wunder, wie Blindenheilung, Heilung von Gelaehmten, Auferweckung von den Toten, muesste denn ein echter Messias noch tun?)

    Was ich auch ganz besonders ueberzeugend finde ist, dass die ersten Juenger fuer ihre Ueberzeugung in den Tot gegangen sind. Das ist psychologisch kaum zu erklaeren, wenn sie nicht fest ueberzeugt gewesen waeren: „Er ist es“.
    Auch sollte man die ganzen Evangelien lesen, und pruefen, was Jesus gesagt hat – wer solche Dinge sagt, muss doch mehr gewesen sein als ein normaler Mensch.

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